Du musst dich nicht entspannen

„Jetzt entspann dich doch einfach.“

Ein Satz, den wahrscheinlich viele von uns kennen. Aber hast du schon einmal versucht, dich auf Kommando zu entspannen, während innerlich eigentlich alles auf Hochtouren läuft?

Gar nicht so einfach.

Denn Entspannung ist nicht immer etwas, das wir einfach beschliessen können.

Manchmal machen wir daraus sogar die nächste Aufgabe:

Ich muss runterfahren. Ich muss loslassen. Ich muss endlich entspannen.

Und plötzlich entsteht noch mehr Druck.

Vielleicht müssen wir gar nicht mit dem Loslassen beginnen

Manchmal kann es hilfreicher sein, dem Körper zuerst etwas Deutliches anzubieten.

Spannung bewusst wahrnehmen.

Bewegung entstehen lassen.

Und erst danach beobachten, was beim Loslassen passiert.

Genau das kannst du mit einer kleinen Übung ausprobieren:

🤲 Drücken – lösen – nachspüren

Setze dich bequem hin und stelle beide Füsse bewusst auf den Boden.

1. Die Füsse

Drücke beide Füsse für ungefähr 5 Sekunden angenehm kräftig in den Boden. Nicht mit maximaler Kraft.

Dann löse den Druck ganz langsam wieder.

Spüre kurz nach.

2. Die Hände

Bringe deine Handflächen vor deinem Körper zusammen und drücke sie für etwa 5 Sekunden gegeneinander.

Dann langsam lösen.

Wieder einen Moment wahrnehmen.

3. Die Schultern

Ziehe deine Schultern sanft in Richtung Ohren. Halte kurz – und lass sie anschliessend langsam wieder sinken.

Und dann: Mach für 20–30 Sekunden gar nichts.

Wie fühlen sich deine Füsse und Beine an?

Wie sitzt du auf dem Stuhl?

Wie fühlen sich deine Schultern an?

Hat sich deine Atmung verändert?

Es gibt dabei kein „So sollte es sich jetzt anfühlen“.

Es geht ums Wahrnehmen.

Warum eigentlich zuerst anspannen?

Der Wechsel zwischen Anspannung und Loslassen kann uns helfen, Unterschiede im Körper deutlicher wahrzunehmen.

Vielleicht bemerkst du plötzlich erst, wie hoch deine Schultern vorher waren. Vielleicht fühlt sich der Kontakt deiner Füsse zum Boden anders an. Vielleicht verändert sich deine Atmung – vielleicht aber auch nicht.

Und genau das finde ich spannend:

Wir müssen unserem Körper nicht immer sagen, was er tun soll. Wir können ihm etwas anbieten und neugierig beobachten, was er daraus macht.

Auch in der Craniosacraltherapie geht es für mich nicht darum, Entspannung zu erzwingen.

Manchmal entsteht sie. Manchmal zeigt sich etwas ganz anderes.

Beides darf sein.

💛 Spannung wahrnehmen. Bewegung zulassen. Loslassen. Nachspüren.

Vielleicht probierst du es heute einmal aus – gerade dann, wenn jemand (oder du selbst 😉) zu dir sagt:

„Entspann dich doch einfach.“

Published On: 2. Oktober 2026

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